KONZEPTE IN STOFF . 22 TEXTILE POSITIONEN

Rückblick auf Kleinsassen

Am 20. Mai  wurde die erste Station unserer Ausstellung „Konzepte in Stoff, 22 textile Positionen“ in Kleinsassen mit einer Finissage beendet. Herrn Ballmeier, der Leiter der Kunststation, sprach große Lobesworte und  zeigte sich sehr beeindruckt von der Resonanz der Ausstellung und der großen Zahl der Besucher. Auch im Gästebuch finden wir nur positive Reaktionen, kein kritisches  Wort, so daß auch wir vom Vorstand sehr zufrieden über den Verlauf der Ausstellung sind.

Die großzügigen Räumlichkeiten mit drei Hallen ermöglichten den großformatigen Arbeiten eine wunderbare Gesamtwirkung und brachten die individuellen künstlerischen Aussagen  der Künstlerinnen perfekt zur Geltung.

Wir danken der Kunststation  mit ihren stets hilfsbereiten Mitarbeitern ganz herzlich für die großzügige Unterstützung.

Auf Tuchfühlung mit exquisiten Exponaten

von Klaus H. Orth.

Ein faszinierendes Spektrum zeitgenössischer großformatiger Quilt-Arbeiten
präsentiert bis zum 20. Mai 2013 die Kunststation Kleinsassen. In ihren drei
Hallen dürfen die Besucher der Ausstellung "Konzepte in Stoff - 22 textile
Positionen" auf Tuchfühlung mit exquisiten Exponaten gehen, die sich durch große
künstlerische Gestaltungskraft auszeichnen und individuelle Handschriften
tragen. Die Ausstellung ist im Kontext einer Ausschreibung des Vereins
Quiltkunst e.V. entstanden. Dieser hat es sich seit seiner Gründung 1997 zum
Ziel gesetzt, die textile Technik des Quiltens für den Bereich der eigenen
künstlerischen Gestaltung zu öffnen. Vorgabe der Ausschreibung war es, Konzepte
für großformatige textile Arbeiten von mindestens drei Quadratmetern Größe zu
erstellen. Eine fachkundige Jury wählte aus den eingereichten 56 Bewerbungen 22
Künstlerinnen aus, die ihre Konzepte für die Ausstellung realisierten. Ihre 22
textilen Positionen stellen sie nun im Rahmen der sehenswerten Präsentation zur
Diskussion.

Die Kunststation Kleinsassen als erste Station der Schau ist ideal, bietet sie doch genügend Raum für die Vielzahl großformatiger Exponate, die ihre Aura frei entfalten und so die individuellen künstlerischen Aussagen artikulieren können. Der Betrachter kann sich den Arbeiten in Ruhe widmen, ihnen ganz nahe kommen, um Details zu ergründen, oder auch drei, vier Meter zurücktreten, um aus der Distanz die Gesamtwirkung zu erfahren. Das ambitionierte Projekt bietet der zeitgenössischen textilen Kunst ein perfektes Forum, dokumentiert aktuelle Standpunkte und schenkt Ausblicke auf die Zukunft der textilen Kunst, die sich mehr und mehr neuen Dimensionen öffnet, sich in die Bereiche Installation und Skulptur vorwagt oder Fundstücke und neue Materialen integriert.

In der Ausstellung lassen sich verschiedene Schwerpunkte ausmachen. Da sind zum einen abstrakte Quilts, die durch rein gestalterische Inhalte bestimmt sind - beispielsweise von Dörte Bach. Sie setzt auf Reduktion und Formenstrenge und  lässt die Linie und den Kontrast von Schwarz und Weiß dominieren. Auch die Quilts von Heike Dressler, Gisela Schmidt und Heide Stoll-Weber spielen virtuos mit der Wirkung von Farbe und Form.

 

Da sind zum anderen Arbeiten, deren Themen im weitesten Sinne um Natur und Landschaft kreisen, wie etwa die von Claudia Helmer, Isabelle Wiessler und Annemarie Zoller-Sicker. Letztere erinnern an archaische Fundstücke, beeinflusst durch die Landschaft Afrikas, durch Wüste, Felsen, Sand und Steppe. Bei der Herstellung setzt Zoller-Sicker als Grundtechnik auf das Entfärben von Stoffen,
suggeriert in "Spuren roter Farbe # 1 und # 2" eine Alterung des Materials. Verspielt dagegen wirken "Summer", "Late Summer" und "Indian Summer" von Renate Flohr, die poetisch Naturempfindungen einfangen: Vertikale Streifen im Hintergrund symbolisieren den fortschreitenden Lauf der Jahreszeit, während im  Vordergrund organisch anmutende Konturen in kräftigen Farben ineinander greifen, Assoziationen wecken an das Spiel von Blättern im Wind. Von der Natur inspiriert sind die rhythmischen und farbintensiven Arbeiten von Michaela Grigoleit. So fein wie eine Zeichnung erscheinen die "Wiesenstücke" von Elsbeth Nusser-Lampe. Und Adelheid Gubser schafft aus Stoff ein "Textiles Universum", das den Betrachter staunen lässt.

Den dritten Schwerpunkt bilden soziale und gesellschaftspolitische Themen.
Gisela Hafer greift den Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft auf, indem sie Fotos aus der Tagespresse auf Stoff überträgt und so Zeitsplitter dokumentiert. Britta Ankenbauer setzt textile Fundstücke in einen künstlerischen Kontext und verleiht ihnen einen neuen Rang. Bei Pascale Goldenberg steht die Wiederverwertung bereits gebrauchter Materialen im Mittelpunkt - so auch in ihrer raumgreifenden fünfteiligen Säuleninstallation "Bandages pur la Gréce". Judith Mundwiler wählt für ihre frei hängende "Seelewanderung" das fragile, transparente Material gebrauchter Teebeutel, um  Gedanken zu Leben, Tod, Abschied und Loslassen Ausdruck zu verleihen. Ulrike Fritz greift in "Meine Mutter" motivisch auf alte Fotos aus den 50er Jahren zurück und behält Schwarz, Weiß und Grautöne bei, um damit Vergangenheit zu dokumentieren. Schreiend bunt dagegen sind die drei collageähnlichen Arbeiten von Friederike Hoerst-Röhl, die sich mit dem Leben der Frau im Verhältnis zu  ihrem Umfeld befassen. Besonders im Gedächtnis bleibt dabei "Mit Haut und Haar", eine bittersüße Abrechnung mit erzwungenen Schönheitsidealen. Brigitte Kopp  führt paradigmatisch die Reizüberflutung des Menschen im Medienzeitalter vor, die zu einer Abstumpfung des Menschen seiner Umwelt gegenüber führt. "Die drei Affen" symbolisieren jene Gleichgültigkeit gegenüber Geschehnissen in nächster Nähe und verweisen auf mangelnde Zivilcourage. Ein Gefühl für Zeit und ihre hinterlassenen Spuren erlebbar zu machen, ist das Anliegen von Monika Sebert. Sie findet in Rost ihr geeignetes Ausdruckmittel, um die Zeichen der Zeitläufte künstlerisch einzufangen.

 

Den vierten Schwerpunkt stellen mythologische Themen dar. Mit ihrer Bodeninstallation "Der Platz der Schamanin" verweist Gabi Mett auf die sozialen Aufgaben, die einer Schamanin als Leiterin von Opferzeremonien, als Heilkundige, Wahrsagerin, Dichterin und Sängerin zukamen. Gabriele Kleindienst führt mit ihrer liegend konzipierten und dreidimensional aufgebauten textilen Installation "Grands - Garten der Lüste" den Reigen von Verführung, Begierde, Lust und Leid vor. Den Weg in eine friedvollere Welt weisen die Exponate von Konstanze
Trommer. Sie setzt analoge und digitale Medien ein, zelebriert Malerei, Zeichnung und Thermodruck auf Seide und verleiht "Aufbruch ins Paradies" eine traumwandlerische Leichtigkeit.

Wer die Ausstellung "Konzepte in Stoff - 22 textile Positionen" besucht, der sollte sich Zeit lassen für einen intensiven Dialog mit den Exponaten.