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Krisen, Liebe, Natur und die Wirkung von Streifen

Quilt-Kunst in Kleinsassen: 22 Künstlerinnen zeigen großformatige
Arbeiten

Von Lisa Krause.

Kleinsassen. Eine Ausstellung mit Quilt-Kunst ist seit dem Wochenende in der
Kunststation Kleinsassen zu entdecken. "Konzepte in Stoff. 22 textile
Positionen" kreist um Themen wie Gesellschaft, Natur und Abstraktes - mit
Stoffen als Leinwänden. Bis zum 20. Mai sind die großformatigen Werke zu sehen.

Lange weiße Stoffbahnen mit roten Akzenten, die auf die Krise in Griechenland
anspielen. Aufwändig bestickte Tücher, die Geschichten erzählen. Selbstgemachte
Stoffpuppen, die die Liebe zelebrieren. Die Ausstellung ist äußerst vielfältig.
Die Heransgehensweise der 22 Künstlerinnen reicht von der flächigen Gestaltung
bis zur Skulptur und der Rauminstallation. Sie arbeiten mit alten und
selbstgefärbten Stoffen, Zeitungsschnipseln oder den verschiedensten
Alltagsgegenständen.

Der in Frankfurt ansässige Verein Quiltkunst, im Jahr 1998 gegründet, hat es
sich zur Aufgabe gemacht, diese spezielle Technik zu fördern und ein Forum zu
bieten, um eigene Arbeiten zu präsentieren. In Form eines Wettbewerbs ist nun
die in Kleinsassen gezeigte Ausstellung entstanden. 22 Künstlerinnen wurden
ausgewählt, die ihre Sichtweisen zu den verschiedenen Themen auf über 1000
Quadratmetern Ausstellungsfläche ausbreiten.

Vier thematische Schwerpunkte lassen sich entdecken. Da sind zunächst soziale
und politische Motive, die Sehnsüchte und die Ängste der Menschen darstellen.
Gezeigt werden etwa gesellschaftliche Veränderungen, mit denen wir konfrontiert
werden. Brigitte Kopp aus Berlin zeigt eindrucksvoll, wie wir durch ständige
Reizüberflutung der Medien immer mehr abstumpfen und unsere Umwelt weniger
bewusst wahrnehmen.

Auch das Thema Natur findet sich auf den Quilts wieder.
Landschaftsdarstellungen und die Schönheit der Flora und Fauna: Sieben
Künstlerinnen bringen dem Betrachter durch aufwändige Stickereien und
fantasievoll-wirre Farbspiele ihre Liebe zum Draußen näher. Eine davon ist
Michaela Grigoleit. "Spaziergänge in der Natur, Farben und Formen inspirieren
mich zu meinen Zeichnungen. Die rythmisch gesetzten Linien und Kurven der Natur
begeistern mich immer wieder", so die Berlinerin.

Gar nicht so weit weg von der Natur lassen sich die mythologischen Werke
finden. Wo kommen wir her? Was haben wir für Träume? "Ich setze mich gerne mit
den Ursprüngen und Wurzeln des Menschen auseinander" erklärt Gabi Mett. Ihre
Bodeninstallation zeigt die Vierteilung der Welt, die auf den Schamanismus
zurückzuführen ist.

Rein gestalterisch sind die abstrakten Quilts, die mit der Wirkung von Formen
und Farben spielen. Gisela Schmidt hat sich mit etwas vermeintlich ganz
Einfachem beschäftigt. "Streifen sind doch die einfachste Art, etwas regelmäßig
zu mustern. Jedoch verursachen sie in ihrer Schlichtheit die höchstmögliche
Wirkung", so Schmidt.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 28. März 2013